Mein Leben als geschiedene Frau mit einem behinderten Kind war alles andere als einfach. An meinem 60sten Geburtstag betrachtete ich mein vergangenes Leben und dachte, dass ich das alles gut gemeistert habe. Ich war mir sicher, dass es nun ruhiger und ausgeglichener werden wird. Wenig später bekam ich die Diagnose Brustkrebs.

Christoph Schlingensief schrieb in seinem Tagebuch einer Krebserkrankung: "So viele Kranke leben einsam und zurückgezogen, trauen sich nicht mehr vor die Tür und haben Angst, über Ängste zu sprechen. Ich habe erlebt, wie wichtig es ist, den Geschockten und aus der Bahn Geworfenen zurück ins Leben zu begleiten, ihn in seiner Autonomie als Erkrankten zu stärken, sich zu bemühen, seine Zweifel zu verstehen, ihm zu helfen, seine Ängste auszusprechen und diese – in welcher Form auch immer – zu modellieren. Die Erkrankung vor sich zu stellen, sie und sich selbst von außen zu betrachten – dieser ganzheitliche Blick ist wichtig und hilfreich."

Hier in Eppendorf in der Psychoonkologie habe ich Menschen getroffen, die fürsorglich mit mir und meinen Ängsten umgehen. Ich fühle mich geborgen und nicht ausgeliefert. Nach vielen Gesprächen, voll mit Angst, Wut, Resignation und Weinen aber auch mit Lachen und Spaß, kann ich jetzt aktuell sagen: Es geht mir gut!

Ich wünsche vielen Patienten den Mut, sich hier Hilfe und Unterstützung zu holen. Heute engagiere ich mich in dem neu gegründeten Freundeskreis Psychoonkologie. Unser Ziel ist es, Sponsoren zu finden, mit deren Beitrag die Arbeit in dieser Abteilung unterstützt und erweitert werden kann.

Portrait Frau Kern